Citizen Leopard – die Schnellläufer, die Citizen neu definierten
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Ein Auftakt voller Tempo

Es gibt Uhrenlinien, die still und leise erscheinen und erst Jahre später verstanden werden. Die Citizen Leopard gehört genau in diese Kategorie. Während Seiko in den späten 1960ern mit seinen ersten Hi-Beat-Werken Schlagzeilen machte, arbeitete Citizen im Stillen an einem Gegenentwurf: einer Serie, die Präzision, Mut und Geschwindigkeit vereint. Die Leopard war Citizens Antwort auf die technische Herausforderung ihrer Zeit – und sie kam mit einer Eleganz und Kraft, die man so von der Marke lange nicht kannte.
Als die ersten Leopard-Modelle 1969 in Japan vorgestellt wurden, war sofort klar, dass sie anders waren. Der Name war eine Botschaft: schnell, elegant, angriffslustig. Citizen wollte damit zeigen, dass die Marke nicht nur solide Alltagsuhren bauen konnte, sondern in der Lage war, mechanisch und ästhetisch an die Spitze vorzupreschen.
Citizens Schritt in die Hochfrequenz-Ära
Im Zentrum der Leopard-Reihe stand ein Werk, das für Citizen einen großen Sprung bedeutete. Die Kaliber der 72er-Serie schlugen mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und erreichten damit eine Präzision, die bis dahin eher Seiko oder Schweizer Luxusmarken vorbehalten war. Doch Citizen machte damit nicht Halt. In den frühen 1970ern kamen Hi-Beat-Leopards auf den Markt, deren Werke mit 36.000 A/h liefen und damit in die absolute Spitzengruppe der Schnellschwinger aufstiegen.
Diese Werke waren robust, elegant konstruiert und erstaunlich wartungsfreundlich. Viele laufen heute, sechzig Jahre später, immer noch in beeindruckender Genauigkeit. Manche Leopard-Modelle wurden sogar als Chronometer zertifiziert – ein seltener Luxus bei Citizen, der die Ambitionen dieser Reihe eindrucksvoll unterstreicht.
Die Vielfalt der Leopard-Modelle
Die Leopard war keine einzelne Uhr, sondern eine ganze Familie. Es gab elegante Dress-Modelle mit schlanken Gehäusen, feinen Indizes und klassischem Sonnenschliff. Daneben existierten sportlichere Varianten, oft mit kühn geformten Tonneau- oder Kissen-Gehäusen, markanten Lünetten und farbigen Zifferblättern. Besonders typisch für die Zeit waren die Day-Date-Modelle, deren zweisprachige Wochentagsanzeige und klare Ablesbarkeit sie zu idealen Begleitern im Alltag machten.
Die seltensten Vertreter waren allerdings jene Leopards, die mit Hi-Beat-Werken und Chronometer-Zertifikat ausgeliefert wurden. Sie verkörperten Citizens technischen Höhepunkt der mechanischen Ära – fein reguliert, in kleinen Stückzahlen produziert und heute schwer zu bekommen.
Die Citizen Leopard Super Hi-Beat 36.000 – Citizens Griff nach der Spitze
Es gibt Uhren, die nicht nur ein Modell darstellen, sondern eine Haltung. Die Citizen Leopard Super Hi-Beat 36.000 gehört genau in diese Kategorie. Sie war Citizens kühne Reaktion auf ein uhrmacherisches Wettrennen, das Ende der 1960er-Jahre die gesamte Branche erfasste: das Rennen um die höchste Frequenz.
Während Seiko 1967 seine ersten 36.000er präsentierte und Schweizer Hersteller wie Girard-Perregaux und Zenith mit eigenen Schnellschwingern Schlagzeilen machten, entschloss sich Citizen, nicht nur mitzuhalten, sondern im eigenen Stil zu überholen. Und dieser Stil hieß: Leopard.
Ein Werk, das Citizen neu definierte
Im Inneren der Super Hi-Beat schlug das Werk der 72xx-Familie in seiner anspruchsvollsten Form. Es war ein mechanisches Statement, das mit 36.000 Halbschwingungen pro Stunde lief – eine Frequenz, bei der die Unruh so schnell oszilliert, dass der Sekundenzeiger fast gleitet wie bei einer modernen Spring-Drive.
Citizen entwickelte die Hi-Beat-Kaliber nicht als bloße Antwort auf Seiko, sondern als Demonstration eigener Kompetenz. Die Ingenieure zielten auf maximale Präzision, hohe Amplitude und möglichst niedrige Reibungsverluste. Viele der Werke wurden aufwendig selektiert, reguliert und je nach Modell sogar in Chronometerqualität ausgeliefert. Noch heute laufen viele originale 36.000er Leopards erstaunlich stabil – ein Beweis für die technische Reife dieses Kalibers.
Das Werk war kein technisches Experiment, sondern ein in großen Teilen neu konstruierter Schnellläufer. Die feinere Lagerung, die verstärkte Stoßsicherung und die präzise justierbare Rückermechanik machen es zu einem der am besten entwickelten mechanischen Serienwerke, die Citizen je gebaut hat.
Design, das Geschwindigkeit sichtbar macht
Die Hi-Beat-Modelle wurden meist als Spitzenmodelle der Leopard-Linie gestaltet – und das sieht man ihnen an. Ihre Gehäuse sind markanter, ihre Kanten stärker betont und ihre Zifferblätter oft kontrastreicher als bei den Standard-Leopards.
Das Design wirkt fast wie eine Übersetzung der Werkfrequenz in eine visuelle Sprache: straff, modern, mit einer gewissen 70er-Jahre-Schärfe. Viele Modelle besitzen tiefschwarze oder metallisch schimmernde Zifferblätter, die den roten Sekundenzeiger fast leuchten lassen. Andere zeigen ein Spiel aus strukturierten Oberflächen, blockartigen Indizes oder ungewöhnlichen Gehäuseformen, die heute wie futuristische Skulpturen wirken.
Und genau hier entfaltet die Super Hi-Beat ihren Charme: Sie ist gleichzeitig ein technisches Instrument und ein ästhetisches Objekt – ein Beweis dafür, dass Citizen in dieser Ära mehr wagte, als viele ihm zutrauten.
Die seltene Spitze der Leopard-Evolution
Nur ein kleiner Teil der Leopard-Produktion erreichte die Hi-Beat-Spitze. Die meisten Modelle waren für den japanischen Markt bestimmt, viele wurden nur in kurzen Serien gefertigt. Es ist erstaunlich, wie wenige Exemplare gut erhalten überlebt haben – erst Recht solche, die in Originalkonfiguration, mit passendem Band und unpoliertem Gehäuse gefunden werden.
Die Super Hi-Beat ist nicht nur technisch die Krone der Leopard-Linie, sondern auch historisch ein Wendepunkt: Citizen zeigte erstmals öffentlich, dass man bereit war, mechanisch denselben Anspruch wie Seiko zu formulieren – und manchmal sogar ein wenig darüber hinauszugehen.
Als die Quarzrevolution kurz darauf die gesamte mechanische Forschung überrollte, wurde die Hi-Beat-Leopard fast über Nacht zum Relikt eines außerordentlichen Moments. Ein Projekt voller Hoffnung und Präzision, das plötzlich von einer noch radikaleren Zukunft eingeholt wurde.
Warum die Super Hi-Beat heute eine Kultuhr ist
Wer eine Citizen Leopard Hi-Beat 36.000 besitzt, hält ein Stück japanischer Uhrengeschichte in der Hand – ein Objekt, das die letzte große Phase der mechanischen Ambition bei Citizen verkörpert.
Ihre Seltenheit, die technische Brillanz des Werks und das typische 70er-Jahre-Design verleihen ihr eine Aura, die andere Vintage-Uhren kaum erreichen. Sie ist eine Uhr, die nicht nur schnell war, sondern symbolisch: die Spitze der Citizen-Mechanik, bevor die Quarzzeit anbrach.
Unter Sammlern zählt die Super Hi-Beat heute zu den begehrtesten Citizen-Modellen überhaupt. Nicht, weil sie laut wäre, sondern weil sie leise zeigt, was Citizen konnte – und vielleicht hätte werden können, wenn die Welt sich nicht so abrupt veränderte.
Wer eine solche Leopard findet, hat Glück.
Wer sie trägt, versteht sie.
Sie ist das Raubtier, das ganz oben auf dem Hügel stand – schnell, elegant und voller Kraft, ein letztes Aufblitzen der mechanischen Meisterschaft von Citizen in einer Zeit des Umbruchs.
Ein Design, das charakterstark blieb
Das Design der Leopard-Serie wirkt noch heute frisch, mutig und kompromisslos. Citizen ließ sich in dieser Zeit nicht von Schweizer Vorbildern leiten, sondern entwickelte eine ganz eigene Formensprache. Viele Modelle zeigen harte Kanten, klare Linien und eine fast futuristische Strenge, gepaart mit ungewöhnlichen Farben wie tiefem Rauchgrau, kühlem Königsblau oder honigfarbenem Goldton.
Während Seiko in den frühen 1970ern immer technischer wurde, wagte Citizen in der Leopard-Serie mehr künstlerische Freiheit. Manche Gehäuseformen wirken wie Entwürfe eines Architekten, andere erinnern an das Space-Age-Design der Zeit. Genau dieser kreative Mut macht die Leopard heute zu einem Liebling unter Sammlern, die nach Modellen suchen, die sofort ins Auge fallen, ohne laut zu sein.
Warum die Citizen Leopard eine moderne Wiederentdeckung ist
Lange Zeit stand Citizen im Vintage-Segment im Schatten von Seiko. Doch das Blatt wendet sich – und die Leopard steht im Zentrum dieser Renaissance. Es liegt an der Mischung aus hoher technischer Ambition, geringer Produktionsmenge und eigenwilliger Gestaltung. Die Leopards waren nie Massenprodukte. Viele Modelle erschienen nur kurz oder wurden ausschließlich in Japan angeboten. Dadurch findet man sie heute selten – aber wenn man eine findet, spürt man sofort, dass man etwas Besonderes in der Hand hält.
Hinzu kommt, dass die Preise im Vergleich zu Seikos Hi-Beat-Reihen überraschend moderat geblieben sind. Wer die mechanische Spitzenzeit japanischer Uhrmacherei sammeln möchte, erhält bei der Leopard ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das im Vintage-Bereich nahezu unschlagbar ist.
Fazit: Die Citizen Leopard – ein Raubtier, das man einmal entdeckt und nie wieder vergisst
Die Leopard-Serie ist einer der großen unterschätzten Schätze der japanischen Uhrenwelt. Sie vereint Hochfrequenztechnik, mutiges 70er-Design, geringe Stückzahlen und eine faszinierende Vielfalt. Sie ist elegant genug für den Anzug, charakterstark genug für Sammler und technisch anspruchsvoll genug, um auch modernen Enthusiasten Freude zu bereiten.
Die Citizen Leopard war Citizens Schritt in eine neue Ära – ein Schritt voller Tempo, Präzision und Selbstbewusstsein. Und heute, Jahrzehnte später, ist sie eine der spannendsten Serien, die man sammeln kann.
Wer diese Uhren entdeckt, findet schnell heraus:
Sie sind nicht nur schneller als vieles, was Citizen damals baut.
Sie sind auch interessanter, seltener und charaktervoller, als es die Uhrenwelt je geahnt hat.
Schau doch mal bei uns im Shop vorbei, wir haben immer wieder gut erhaltene Exemplare der Leopard-Serie mit 28.800 oder 36.000 Halbschwingungen pro Stunde im Angebot.
Hier Bilder, die die Vielfalt der verschiedener Leopard Modelle zeigen. Diese Bilder stammen aus zwei Citizen Katalogen aus den 70er Jahren – genauer Katalog 10 von 1973 und Katalog 12 aus 1974. 


Autor:FB