Urushi: Wie die handlackierten Zifferblätter von Wancher entstehen
Share
Manche Zifferblätter sehen aus, als könnte man in sie hineinschauen. Bei den Urushi-Uhren der japanischen Marke Wancher steckt dahinter kein technischer Effekt, sondern ein Naturmaterial, mit dem japanische Handwerker seit Jahrtausenden arbeiten. Am 26. September zeigt Wancher seine Uhren zum ersten Mal in Deutschland – als Special Guest bei unserem Japan Vintage Watch Day in Mühltal. Ein guter Anlass, sich genauer anzusehen, wie so ein Zifferblatt entsteht.
Was ist Urushi?
Urushi ist der Saft des Lackbaums, der in Japan, China und Korea wächst. Die Bäume werden vorsichtig angeritzt, der austretende Saft wird von Hand gesammelt. Ein einzelner Baum liefert im Laufe seines Lebens nur etwa 200 Gramm davon. Bevor der Rohlack verarbeitet werden kann, wird er gefiltert und aufbereitet.

Urushi im Rohzustand: dunkel, zähflüssig und mit einem ganz eigenen Glanz.
Anders als Farbe trocknet Urushi nicht einfach an der Luft. Der Lack härtet in einer warmen, feuchten Umgebung aus, deshalb ruhen lackierte Teile in speziellen Trockenschränken. Jede Schicht muss vollständig durchgehärtet sein, bevor die nächste folgen kann. Ausgehärtet ist Urushi sehr widerstandsfähig und verändert sich mit den Jahren nur behutsam: Viele Farbtöne werden mit der Zeit etwas heller und klarer.
Schicht für Schicht, über Monate
Für seine Zifferblätter arbeitet Wancher mit Lackwerkstätten in Wajima, Aizu und Echizen zusammen, also in Regionen, die in Japan seit Generationen für ihre Lackkunst bekannt sind. Eine davon ist Taya Shikkiten in Wajima, eine Werkstatt mit rund 200 Jahren Geschichte.

Bei Taya Shikkiten wird der Lack mit einem Holzspatel auf das Zifferblatt gebracht.
Der Lack wird in vielen dünnen Schichten aufgetragen, ausgehärtet, geschliffen und erneut lackiert. Für ein einzelnes Zifferblatt können so mehrere Monate vergehen. Weil jeder Arbeitsschritt von Hand erfolgt, fällt jedes Zifferblatt ein wenig anders aus, auch innerhalb desselben Modells.

Gleicher Ablauf, und trotzdem hat jedes Zifferblatt seinen eigenen Farbverlauf.
Blattgold, Muster und Maki-e
Neben einfarbigen Lacken setzt Wancher verschiedene Veredelungstechniken ein. Beim Kinpaku wird Blattgold auf die Lackoberfläche gesetzt. Beim klassischen Maki-e streut der Handwerker Gold- oder Silberpulver auf den noch feuchten Lack und lässt so Motive entstehen. Kawari-nuri steht für besondere Lacktechniken, die Strukturen und Muster in der Oberfläche erzeugen.

Blattgold wird mit einer Bambuspinzette Stück für Stück auf ein schwarzes Urushi-Zifferblatt gesetzt.
Bei einigen Modellen kommt außerdem Kindai Maki-e zum Einsatz, eine moderne Variante: Das Motiv wird digital gestaltet und im Siebdruck auf die handlackierte Urushi-Oberfläche aufgebracht. Der Lackgrund bleibt dabei Handarbeit, das Motiv selbst ist gedruckt.
Die Menschen hinter dem Lack
Meister Tsutomu Taya war Vorsitzender der Lackwaren-Genossenschaft von Wajima und blickt auf über sechs Jahrzehnte Erfahrung mit Urushi zurück. Meisterin Yoko Hirota arbeitet seit mehr als 30 Jahren mit Urushi und Maki-e. Von ihr stammen unter anderem Hibi-nuri- und Kinpaku-Zifferblätter für Wancher.

Meister Tsutomu Taya (links) und Meisterin Yoko Hirota.
Nicht nur Uhren: Urushi-Füllfederhalter
Wancher fertigt auch Füllfederhalter, darunter Modelle mit traditionellem Urushi-Lack und Maki-e-Verzierung. Einige davon führen wir bereits bei uns im Store.

Maki-e-Malerei mit einem sehr feinen Pinsel auf einer Füllerkappe.
Urushi live erleben: am 26. September in Mühltal
Fotos zeigen nur einen Teil dessen, was ein Urushi-Zifferblatt ausmacht. Die Tiefe des Lacks und wie sich Farben und Strukturen im Licht verändern, erkennt man erst, wenn man es direkt vor sich hat. Genau dazu habt ihr beim Japan Vintage Watch Day Gelegenheit: Wancher reist extra aus Japan an und zeigt seine Uhren zum ersten Mal in Deutschland, dazu einzelne Urushi-Zifferblätter und die Kaguya mit ihrem Mondphasen-Zifferblatt aus Perlmutt. Wer sein Wunsch-Zifferblatt findet, kann die Uhr direkt bei uns bestellen, montiert wird sie anschließend in Japan. Auch die Füllfederhalter könnt ihr an diesem Tag in deutlich größerer Auswahl ausprobieren, die passenden japanischen Tinten gibt es gleich daneben.

Die Kaguya mit Mondphasen-Zifferblatt aus Perlmutt.
Japan Vintage Watch Day
Samstag, 26. September 2026 · 10 bis 18 Uhr
JAPANESE MICROBRANDS · Wackerfabrik, Gebäude 1.E, 2. OG
Ober-Ramstädter Str. 96 E · 64367 Mühltal
Eintritt frei · keine Anmeldung erforderlich
Zum vollständigen Programm · Wancher im Shop entdecken
Bilder: Wancher