King Seiko 44KS – Ref. 4402-8000 – Kaliber 4402A, Handaufzug mit Sekundenstopp, Daini Seikosha – Schild-Plakette – September 1966 – frisch revidiert
King Seiko 44KS – Ref. 4402-8000 – Kaliber 4402A, Handaufzug mit Sekundenstopp, Daini Seikosha – Schild-Plakette – September 1966 – frisch revidiert
Diese Uhr ist der Anfang.
Nicht der Anfang von King Seiko – die Linie gab es seit 1961. Sondern der Anfang jener Formensprache, die Seiko und Grand Seiko bis heute prägt. Die 4402-8000 gilt als die erste Referenz, in der Taro Tanakas „Grammar of Design" vollständig umgesetzt wurde. Zwei Jahre später übernahm Grand Seiko diese Gestaltung für die 44GS – das Modell, auf das sich die Marke bis heute beruft.
Wer verstehen will, woher Grand Seiko sein Aussehen hat, muss diese Uhr in die Hand nehmen.
Die Grammar of Design
1959 stellte Daini Seikosha einen jungen Designer namens Taro Tanaka ein. Seine Ausgangsbeobachtung war unbequem: In der Vitrine eines japanischen Juweliers wirkten die eigenen Uhren neben der Schweizer Konkurrenz stumpf. Nicht schlechter gebaut – aber sie fingen kein Licht.
1962 formulierte Tanaka daraus drei Regeln:
- Alle Flächen und Winkel an Gehäuse, Zifferblatt, Indizes und Zeigern müssen eben und geometrisch exakt sein, damit sie Licht gerichtet reflektieren.
- Die Lünette wird als einfache, zweidimensional facettierte Kurve ausgeführt.
- Keine Verzerrung aus irgendeinem Blickwinkel; Gehäuse und Zifferblätter werden spiegelnd poliert.
Praktisch heißt das: keine gerundeten Übergänge, keine weichgeschliffenen Kanten, keine gewölbten Flächen. Jede Fläche steht für sich und wirft das Licht in genau eine Richtung.
An dieser Uhr sieht man es an den Bandanstößen. Sie sind breit, flächig und durch eine scharfe Kante in zwei Ebenen geteilt – oben spiegelnd, an der Außenkante angeschrägt. Diese Hörner sind das Erkennungszeichen der 44KS und der Grund, warum die Baureihe unter Sammlern einen eigenen Ruf hat.
Weil die Lünette sehr schmal ausfällt und das Zifferblatt fast bis an den Gehäuserand reicht, wirkt die Uhr deutlich größer als ihre 35,2 mm – bei 41,7 mm Horn zu Horn trägt sie sich mit Präsenz.
Daini gegen Suwa
Seiko unterhielt zwei vollständig getrennte Fertigungen, die gegeneinander antraten: Daini Seikosha in Tokio und Suwa Seikosha in Nagano. Beide entwickelten eigene Werke und konkurrierten um die Spitzenposition; die Konzernleitung förderte das ausdrücklich.
1960 stellte Suwa die erste Grand Seiko vor. Daini antwortete 1961 mit der ersten King Seiko, und 1964 mit der zweiten Generation – der 44KS, um die es hier geht. King Seiko war dabei nie das Zweitbeste: Sie stand preislich direkt unter Grand Seiko, kam aber aus dem anderen Haus und ging in der Gestaltung voran.
Der Beleg dafür steht in der Chronologie. Die Grammar of Design erschien zuerst an dieser King Seiko. Grand Seiko folgte.
Das Kaliber 4402A
- Handaufzug, 25 Steine, 18.000 Halbschwingungen pro Stunde
- Sekundenstopp – 1964 eine Seltenheit und der Beleg für den Anspruch der Baureihe
- Datum bei drei Uhr mit halbspringender Schaltung
- Diashock-Stoßsicherung, Seikos eigene Unruhlagerung
- Gefertigt von Daini Seikosha, Tokio
Der Sekundenstopp verdient eine Bemerkung. Er bedeutet, dass sich die Uhr beim Herausziehen der Krone anhält und auf die Sekunde genau nach einem Zeitzeichen gestellt werden kann. Eine Uhr, die auf wenige Sekunden am Tag läuft, aber beim Stellen um eine halbe Minute danebenliegt, nützt niemandem – Seiko zog diese Konsequenz Mitte der 1960er-Jahre, als sie in Europa noch längst nicht selbstverständlich war.
Das 4402 entwickelte sich seinerseits aus dem Cronos-Werk der späten 1950er-Jahre, mit dem Daini auf Suwas Marvel geantwortet hatte. Aus derselben Konstruktion ging später das feiner regulierte 4420 hervor, das Seiko Ende 1966 als Grand Seiko 4420-9000 weiterführte.
Die Schild-Plakette
Auf dem Gehäuseboden sitzt eine goldene Plakette mit dem Schriftzug KING SEIKO über einem gestreiften Wappenschild mit Krone.
Diese Ausführung verwendete Seiko nur von 1964 bis etwa Anfang 1967; danach wurde sie durch eine Plakette mit dem Seiko-Schriftzug ersetzt. Sie ist damit die seltenere der beiden Varianten – und zugleich die anfälligere: Die Plaketten sind eingesetzt, nicht verschraubt, und sind an vielen Exemplaren beschädigt, blank gerieben oder ganz verloren.
An dieser Uhr ist sie vollständig erhalten, mit scharfer Prägung von Schriftzug, Schild und Krone. Bei einer 44KS ist das nach der Gehäuseform das zweite Kriterium, auf das Sammler schauen.
Daneben trägt der Boden die Referenz 4402-8000, die Kennzeichnung SGP für Seikos hauseigenes Vergoldungsverfahren sowie „WATER PROOF" – die vor der Neuregelung der Wasserdichtigkeits-Kennzeichnung um 1970 übliche Formulierung.
Zifferblatt
Das Zifferblatt ist in einem hellen, fein gekörnten Silberton gehalten, der das Licht streut statt es zu spiegeln – der ruhige Gegenpol zum spiegelnden Gehäuse. Die Stundenmarkierungen sind applizierte, facettierte Goldbatons mit scharfen Kanten, bei zwölf Uhr als Doppelindex ausgeführt. Dazu schlanke goldfarbene Dauphine-Zeiger und eine feine Zentralsekunde.
Beschriftet ist das Blatt mit dem applizierten goldenen SEIKO-Schriftzug oben sowie KING SEIKO / DIASHOCK 25 JEWELS unten. Das Datumsfenster bei drei Uhr ist mit einem applizierten Goldrahmen eingefasst.
Zustand
Zuerst der Einwand: Die Vergoldung ist deutlich berieben. Betroffen sind die Hornspitzen, die Gehäusekanten und die Flanken; an der unteren rechten Hornkante zeigt sich eine dunklere, teils grünliche Zone. Das ist auf den Fotos sichtbar. Wer ein makelloses Gehäuse sucht, sollte ein Exemplar in Edelstahl wählen – das allerdings in vergleichbarem Zustand ein Vielfaches kostet.
Dem steht gegenüber, was intakt ist, und das ist bei dieser Referenz das Entscheidende:
Technisch einwandfrei. Die Uhr wurde im Frühjahr/Sommer 2026 in Japan von einem Uhrmacher fachgerecht revidiert – vollständig zerlegt, gereinigt, geölt und reguliert. Handaufzug, Sekundenstopp und Datumsschaltung arbeiten einwandfrei.
Das Zifferblatt ist sehr gut erhalten: gleichmäßige Körnung ohne Flecken oder Verfärbungen, Beschriftung vollständig und scharf, die applizierten Indizes und der SEIKO-Schriftzug fest und ohne Korrosion, der Datumsrahmen intakt.
Statt der KS Krone ist eine vergoldete GS-Krone verbaut.
Die Schild-Plakette ist vollständig, die Prägung scharf. Die charakteristischen Hornfacetten sind erhalten – die Uhr wurde nicht überpoliert, was bei einem Gehäuse, das seine Wirkung allein aus Kantenschärfe bezieht, die wichtigste Einzelaussage ist. Sämtliche Bodengravuren sind klar lesbar. Das Glas hat leichte Gebrauchsspuren.
Montiert ist ein neues Seiko-Lederarmband in Braun.
Technische Daten
- Marke / Linie: King Seiko, 44KS (zweite Generation)
- Referenz: 4402-8000
- Seriennummer: 6901193
- Produktionsdatum: September 1966
- Werk: Seiko Kaliber 4402A, Handaufzug, 25 Steine, 18.000 A/h, Sekundenstopp, Diashock
- Hersteller: Daini Seikosha, Japan
- Funktionen: Stunden, Minuten, Zentralsekunde, Datum
- Gehäuse: vergoldet (SGP), Boden mit goldener King-Seiko-Schild-Plakette
- Durchmesser (ohne Krone): 35,2 mm
- Höhe: 11,3 mm
- Lug-to-Lug: 41,7 mm
- Bandanstoßbreite: 18 mm
- Gewicht (inkl. Band): 47 g
- Band: neues hochwertiges Seiko-Lederarmband
- Glas: Acrylglas
- Revision: Frühjahr/Sommer 2026, Japan – vollständige Zerlegung, Reinigung, Ölung, Regulierung
Für wen
Für Sammler, die die Designgeschichte von Grand Seiko vollständig abbilden wollen. Die 4402-8000 ist die Referenz, an der die Grammar of Design zuerst umgesetzt wurde – zwei Jahre vor der 44GS, auf die sich Grand Seiko bis heute beruft.
Für alle, die eine Handaufzugsuhr mit Sekundenstopp suchen. 1966 war das eine Seltenheit, und es ist bis heute der Unterschied zwischen einer Uhr, die genau geht, und einer, die man genau stellen kann.
Für Liebhaber der 44KS-Hörner. Diese breiten, in zwei Ebenen geteilten Bandanstöße gibt es an keiner anderen Baureihe in dieser Form, und sie sind der Grund, warum die Uhr an einem 35-mm-Gehäuse so viel größer wirkt.
Und für jeden, der eine King Seiko mit vollständiger Schild-Plakette sucht – die frühere und seltenere der beiden Ausführungen, die Seiko nur bis Anfang 1967 verwendete. Die durchgetragene Vergoldung macht dieses Exemplar zugänglich, ohne dass historisch oder technisch etwas fehlt.
Gewährleistung (gebraucht)
Es handelt sich um einen gebrauchten Artikel. Die Verjährungsfrist für Mängelansprüche (gesetzliche Gewährleistung) beträgt 12 Monate ab Lieferung.
Hinweis
Da es sich um eine Vintage-Uhr handelt, kann keine Wasserdichtigkeit zugesichert werden. Um das Uhrwerk zu schützen, sollte die Uhr nicht mit Wasser oder Feuchtigkeit in Berührung kommen.
Gesetzliche Gewährleistung:
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