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King Seiko Special 5256-8010 – Kaliber 5256A, Daini Seikosha – die letzte King Seiko – Dienstjubiläumsuhr der Nagoya Neji Seisakusho, März 1975 – frisch revidiert

King Seiko Special 5256-8010 – Kaliber 5256A, Daini Seikosha – die letzte King Seiko – Dienstjubiläumsuhr der Nagoya Neji Seisakusho, März 1975 – frisch revidiert

1975 stellte Seiko die King Seiko ein. Vierzehn Jahre nach dem Start der Linie, mitten in der Quarzkrise, verschwand der Name aus dem Katalog – und kehrte erst 2021 zurück.

Diese Uhr wurde im März 1975 gebaut. Sie ist die letzte Bauart, die Seiko unter diesem Namen herausbrachte, und sie wurde nur in diesem einen Jahr produziert.

Und man weiß, wem sie gehört hat.

Die Gravur

Auf dem Gehäuseboden stehen zwei Zeilen:

永年勤続25年記念 – zur Erinnerung an fünfundzwanzig Jahre Betriebszugehörigkeit.
KK名古屋螺子 – 株式会社名古屋螺子製作所, die Nagoya Neji Seisakusho, wörtlich: Nagoyaer Schraubenfabrik.

Der Name klingt unscheinbar. Das Unternehmen dahinter ist es nicht.

Nagoya Neji Seisakusho

Gegründet wurde die Firma 1932 in Nagoya von Miyazaki Sadahachi und Watanabe Toshio, 1936 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Der Zweck war von Anfang an spezialisiert: hochfeste Schrauben, Bolzen und Metallteile für die japanische Luftfahrtindustrie, die in diesen Jahren rasant wuchs.

Zu den Abnehmern gehörten Mitsubishi, Aichi Tokei Denki und die Arsenale der Marine. Eine wirtschaftshistorische Untersuchung beziffert den Anteil von Mitsubishis Nagoyaer Flugzeugwerk am Produktionswert der Jahre 1932 bis 1935 auf 82,7 Prozent. Geliefert wurden Verbindungselemente für Flugzeugzellen und Flugmotoren – Bauteile, bei denen Materialgüte und Maßhaltigkeit unmittelbar über Leben und Tod entscheiden.

Nach 1945 stellte das Unternehmen auf zivile Fertigung um:

  • 1949 Wiederaufnahme der Lieferungen an Mitsubishi
  • 1952 Teile für den Mitsubishi-Willys-Jeep
  • 1954 Zulieferung an Honda sowie Komponenten für Pratt-&-Whitney-Flugmotoren
  • 1978 Serienfertigung von Zugstangen-Baugruppen für Flugzeuge
  • 1984/1987 neue Werke in Komaki und Seki
  • ab 1989 Expansion in die USA, später Thailand und Indonesien

Im Jahr 2000 benannte sich das Unternehmen um. Es firmiert bis heute als MEIRA Corporation – メイラ株式会社 – und beliefert die Automobil-, Luftfahrt- und Raumfahrtindustrie. Der Name ist wohl eine Verkürzung des alten: 名 (mei) aus Nagoya, 螺 (ra) aus neji.

Über die ersten fünfzig Jahre gibt es eine gedruckte Unternehmenschronik: 『名古屋螺子五十年史』, erschienen im Juni 1983, 133 Seiten. Exemplare sind unter anderem am Research Institute for Economics & Business Administration der Universität Kobe und im Unternehmensgeschichtsarchiv der Chūō-Universität nachgewiesen.

Fünfundzwanzig Jahre

Rechnet man vom Gravurdatum zurück, trat der Empfänger dieser Uhr 1950 ein – in dem Jahr, in dem Nagoya Neji die Nachkriegslieferungen an Mitsubishi wieder aufnahm.

Er war also von Anfang an dabei, als aus dem Luftfahrtzulieferer ein Automobilzulieferer wurde. Er erlebte die Jeep-Produktion von 1952, den Einstieg bei Honda 1954 und den Wiedereintritt in die Luftfahrt. Als er 1975 seine Uhr bekam, war Japan die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, und das Unternehmen, in dem er ein Vierteljahrhundert gearbeitet hatte, war Teil des Zulieferergeflechts, das diesen Aufstieg trug.

Die 永年勤続表彰, die Ehrung für langjährige Betriebszugehörigkeit, war der sichtbare Ausdruck der lebenslangen Beschäftigung, die das japanische Arbeitsleben über Jahrzehnte prägte. Was ein Unternehmen dabei auswählte, sagte etwas darüber aus, wie es den Geehrten einschätzte. Eine King Seiko Special zu ¥30.000 war am oberen Ende dessen, was vergeben wurde.

Bemerkenswert ist, dass es dieses Programm noch gibt. MEIRA ehrt bis heute Betriebszugehörigkeiten nach 15, 25 und 35 Jahren – heute mit Sonderurlaub und Gutscheinen statt mit einer Uhr. Wer diese King Seiko trägt, trägt eine frühere Ausprägung einer betrieblichen Tradition, die neunzig Jahre nach Firmengründung fortbesteht.

King Seiko – die Linie aus dem anderen Werk

Um zu verstehen, was diese Uhr ist, muss man wissen, wie Seiko damals funktionierte.

Der Konzern unterhielt zwei vollständig getrennte Fertigungen, die gegeneinander antraten: Suwa Seikosha in der Präfektur Nagano und Daini Seikosha in Tokio. Beide entwickelten eigene Werke, führten eigene Modellreihen und konkurrierten um die Spitzenposition. Die Konzernleitung förderte das ausdrücklich – wer das bessere Werk baute, bekam den Auftrag.

1960 stellte Suwa die erste Grand Seiko vor. Daini antwortete 1961 mit der ersten King Seiko. Was folgte, ist eine der produktivsten Rivalitäten der Uhrengeschichte: 1964 die 44KS, 1968 die 45KS mit 36.000 Halbschwingungen, parallel die Suwa-56er-Reihe, und ab 1971 die 52KS – Dainis letzte Konstruktion für diese Linie.

King Seiko war dabei nie die zweite Wahl, sondern die Uhr des anderen Werks. In mehreren Disziplinen war sie der Grand Seiko ebenbürtig, und bei den Chronometerausführungen war King Seiko sogar breiter aufgestellt.

Aus Daini Seikosha wurde übrigens Seiko Instruments, aus Suwa Seikosha Seiko Epson. Beide existieren bis heute – wie das Unternehmen, das diese Uhr verschenkt hat.

Warum gerade die 52KS

Bei den automatischen King Seikos liefen bis zum Schluss zwei Werkfamilien parallel: die 56er von Suwa und die 52er von Daini. Beide wurden gleichzeitig verkauft, nebeneinander im selben Katalog.

Die Zahlenverhältnisse sind eindeutig. Die allermeisten klassisch gezeichneten King Seikos liefen mit dem Suwa-56er-Werk. Nur eine Handvoll Referenzen erhielt das Daini-52er: die 5246-6000, 5246-6010, 5246-6020, 5246-7000, die 5256-8000 und diese 5256-8010. Spezialisten führen die beiden 5256er als „ungewöhnlich bis selten".

Im Seiko-Katalog von 1975 standen die Preise nebeneinander:

  • Suwa King Seiko 5626-7113: ¥28.000
  • Daini King Seiko Special 5256-8010: ¥30.000
  • Suwa King Seiko 5626-7041 Chronometer: ¥33.000
  • Grand Seiko der 56er-Reihe (Basismodell): ¥47.000

Die 52KS Special war also nicht das Einstiegsmodell der Reihe, sondern rangierte oberhalb der normalen King Seiko und lag preislich näher an der Chronometerausführung.

„Special" – was das Blitzsymbol bedeutet

Auf dem Zifferblatt steht KS SPECIAL, gefolgt von einem kleinen Blitzzeichen. Das ist kein Dekor.

Seiko staffelte seine Werke nach internen Genauigkeitsklassen. Der Zusatz „Special" bezeichnete nach allgemeiner Sammlerauffassung eine Ausführung, die auf die jeweils nächsthöhere Klasse einreguliert war als die Basisversion derselben Werkfamilie. Bei Grand Seiko unterschied dies die Kaliber 6155/6156 von den Basiswerken 6145/6146; bei King Seiko kennzeichnete „Special" die 5246er und 5256er.

Die Vorgängerreihe 5246 trug zusätzlich noch „Chronometer" auf dem Zifferblatt. Bei den ab 1973 gebauten 5255/5256 entfiel diese Angabe, und „Special" blieb als alleiniges Qualitätsmerkmal stehen. Diese Uhr trägt damit die Bezeichnung, die Seiko am Ende der King-Seiko-Ära für seine bestregulierten Automatikwerke verwendete.

Das Kaliber 5256A

  • Automatik mit Zusatz-Handaufzug und Sekundenstopp
  • 25 Steine, 28.800 Halbschwingungen pro Stunde
  • Tag und Datum mit Schnellverstellung
  • Tagesscheibe zweisprachig, Japanisch und Englisch
  • Gefertigt von Daini Seikosha, Tokio

Das 5256A löste 1973 das 5246A ab; die wesentliche Neuerung war eine federbelastete Schaltklinke für die Datums-Schnellverstellung, die den Mechanismus deutlich robuster machte. Gebaut wurde das Werk bis 1976.

Damit endete seine Geschichte allerdings nicht. Die Architektur der 52er-Werke wurde in den 1990er-Jahren zur Grundlage der 4S-Reihe, mit der Seiko seine hochwertigen mechanischen Uhren wieder aufnahm. Wer eine 5256 trägt, trägt das letzte Glied der klassischen Ära – und zugleich die Konstruktion, auf der der spätere Neuanfang aufbaute.

Das Ende einer Ära

Im Dezember 1969 stellte Seiko die Astron vor, die erste Quarzarmbanduhr der Welt. Innerhalb weniger Jahre veränderte das den gesamten Markt – und traf ausgerechnet die eigenen mechanischen Spitzenmodelle am härtesten. Eine Quarzuhr war genauer als jede Chronometerausführung und binnen kurzer Zeit billiger in der Herstellung.

Mitte der 1970er-Jahre zog Seiko die Konsequenz. Die mechanischen King Seiko und Grand Seiko verschwanden nahezu zeitgleich. Grand Seiko kehrte 1988 zurück, King Seiko erst 2021.

Die 5256-8010 aus dem Jahr 1975 steht exakt an dieser Bruchstelle.

Gehäuse und Zifferblatt

Das Gehäuse folgt der Gestaltungssprache, die Taro Tanaka 1962 bei Seiko als „Grammar of Design" formulierte: flächige, scharf gegeneinander abgesetzte Polituren, keine gerundeten Übergänge, kantig gezogene Bandanstöße und eine Lünette, die als ebene Fläche statt als Wölbung ausgeführt ist. Tanakas Ausgangsbeobachtung war einfach – japanische Uhren wirkten in der Vitrine neben Schweizer Konkurrenz matt, weil ihre Flächen das Licht diffus streuten. Seine Antwort war, jede Fläche eben zu polieren und die Kanten stehen zu lassen, damit das Licht in definierten Richtungen reflektiert.

Das funktioniert nur, solange die Kanten scharf sind. Jede Nachpolitur rundet sie ab und zerstört den Effekt – weshalb der Gehäusezustand bei diesen Modellen das eigentliche Sammelkriterium ist, nicht das Zifferblatt.

Das Zifferblatt ist ein heller Silberton mit feiner Körnung, die das Licht streut statt es zu spiegeln. Die Stundenmarkierungen sind applizierte, mehrfach facettierte Batons, dazu schlanke facettierte Zeiger. Das Kalenderfenster bei drei Uhr zeigt Tag und Datum übereinander in einem applizierten Rahmen – eine Anordnung, die die 52KS von den 56er-Modellen unterscheidet.

Die Tagesscheibe ist zweisprachig und lässt sich zwischen Japanisch und Englisch umschalten. Die japanische Ausführung folgt dabei der Kalenderkonvention des Landes: Sonntag in Rot, Samstag in Blau – ein Detail, das es an europäischen Uhren nicht gibt.

Beschriftet ist das Blatt sparsam: SEIKO AUTOMATIC oben, KS SPECIAL mit Blitzzeichen unten.

Zustand

Diese Uhr ist in einem außergewöhnlich guten Zustand.

Technisch einwandfrei: Sie wurde im Frühjahr/Sommer 2026 in Japan von einem Uhrmacher fachgerecht revidiert – vollständig zerlegt, gereinigt, geölt und reguliert. Automatik, Handaufzug, Sekundenstopp sowie die Schnellverstellung für Tag und Datum arbeiten einwandfrei, die zweisprachige Umschaltung der Tagesscheibe ebenfalls.

Das Gehäuse ist der entscheidende Punkt. Die Flächenübergänge sind klar gegeneinander abgesetzt, die Kantenverläufe erhalten, die Proportionen unverändert – die Uhr wurde nicht überpoliert. Wer schon einmal eine nachbearbeitete King Seiko in der Hand hatte, erkennt den Unterschied sofort: Dort verlaufen die Kanten weich, die Lünette wirkt gewölbt, und der Lichtwechsel zwischen den Flächen fällt weg. Hier ist nichts davon der Fall. Vorhanden sind lediglich leichte, altersgerechte Tragespuren.

Das Zifferblatt ist sauber und gleichmäßig, ohne Flecken, Verfärbungen oder Aufhellungen. Die Beschriftung ist vollständig und scharf, die applizierten Indizes sitzen fest und zeigen keine Korrosion, der Kalenderrahmen ist intakt. Das Glas ist klar.

Der Gehäuseboden weist die üblichen feinen Spuren vom Öffnen und Tragen auf; Gravur, Referenz 5256-8010 und Seriennummer sind vollständig und klar lesbar.

Montiert ist ein neues Seiko-Lederarmband in Schwarz.

Datierung

Die Seriennummer 534311 erlaubt die eindeutige Zuordnung nach dem Seiko-Schema: Die erste Ziffer bezeichnet die Endziffer des Produktionsjahres, die zweite den Monat. 5 – 3 ergibt März 1975. Das deckt sich mit dem dokumentierten Produktionszeitraum der Referenz, die nach den vorliegenden Quellen ausschließlich 1975 gebaut wurde.

Technische Daten

  • Marke / Linie: King Seiko, Special
  • Referenz: 5256-8010
  • Seriennummer: 534311
  • Produktionsdatum: März 1975
  • Werk: Seiko Kaliber 5256A, Automatik mit Handaufzug, 25 Steine, 28.800 A/h, Sekundenstopp
  • Hersteller: Daini Seikosha, Japan
  • Funktionen: Stunden, Minuten, Zentralsekunde, Tag und Datum mit Schnellverstellung, Tagesscheibe zweisprachig (Japanisch/Englisch) mit rotem Sonntag und blauem Samstag
  • Gehäuse: Edelstahl, Boden mit Dienstjubiläumsgravur 「永年勤続25年記念/KK名古屋螺子」
  • Durchmesser (ohne Krone): 36,1 mm
  • Höhe: 10,1 mm
  • Lug-to-Lug: 41,4 mm
  • Bandanstoßbreite: 18 mm
  • Gewicht (inkl. Band): 50 g
  • Band: neues Seiko-Lederarmband
  • Glas: Mineralglas
  • Revision: Frühjahr/Sommer 2026, Japan – vollständige Zerlegung, Reinigung, Ölung, Regulierung

Für wen

Für Sammler, die die King-Seiko-Geschichte vollständig abbilden wollen. Die 52KS ist das seltenere der beiden automatischen King-Seiko-Werke, die 5256-8010 wurde nur ein einziges Jahr gebaut, und mit ihr endete die Linie. Wer die Suwa-56KS bereits besitzt, bekommt hier die Daini-Gegenseite derselben Rivalität.

Für alle, die eine mechanische Seiko der klassischen Ära auf Grand-Seiko-Niveau suchen, ohne deren Preis zu zahlen – und die Wert darauf legen, dass das Gehäuse nicht nachbearbeitet wurde.

Und für alle, denen Herkunft etwas bedeutet. Die meisten Vintage-Uhren sind anonym; man weiß, wo sie gebaut wurden, aber nicht, wer sie getragen hat. Bei dieser lässt sich beides belegen: März 1975 bei Daini Seikosha in Tokio gebaut, überreicht von einem Unternehmen, das es seit 1932 gibt und das bis heute besteht, an einen Mitarbeiter, der 1950 eingetreten war. Es gibt sogar eine gedruckte Firmenchronik, in der die Jahre nachzulesen sind, die dieser Mensch dort verbracht hat.

Mit 36,1 mm Durchmesser, 10,1 mm Höhe und 41,4 mm Horn zu Horn trägt sie sich zurückhaltend und passt auch an schmalere Handgelenke. Die zweisprachige Tagesscheibe macht sie im Alltag ohne Einschränkung tragbar.

Gewährleistung (gebraucht)
Es handelt sich um einen gebrauchten Artikel. Die Verjährungsfrist für Mängelansprüche (gesetzliche Gewährleistung) beträgt 12 Monate ab Lieferung.

Hinweis
Da es sich um eine Vintage-Uhr handelt, kann keine Wasserdichtigkeit zugesichert werden. Um das Uhrwerk zu schützen, sollte die Uhr nicht mit Wasser oder Feuchtigkeit in Berührung kommen.

Normaler Preis €1.390,00 EUR
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