Seiko Lord Matic 5606-7000 – Kaliber 5606A, 23 Steine, Suwa Seikosha – Monocoque-Gehäuse – Oktober 1969 – frisch revidiert
Seiko Lord Matic 5606-7000 – Kaliber 5606A, 23 Steine, Suwa Seikosha – Monocoque-Gehäuse – Oktober 1969 – frisch revidiert
Auf dem Gehäuseboden steht eine Anweisung, die man an Uhren relativ selten liest: OPEN THRU GLASS.
Diese Uhr lässt sich nicht von hinten öffnen. Der Boden ist kein Deckel, sondern Teil des Gehäusekörpers – ein einziges Stück Edelstahl. Wer an das Werk will, muss das Glas von vorn abnehmen und die Uhr auseinandernehmen wie eine Taschenuhr des 19. Jahrhunderts, nur andersherum.
Warum Seiko das so gebaut hat
Ein Uhrengehäuse hat traditionell drei Öffnungen, durch die Wasser eindringen kann: das Glas, die Krone und den Gehäuseboden. Der Boden ist dabei die größte Schwachstelle, weil seine Dichtfläche den vollen Umfang umläuft und bei jeder Revision neu abgedichtet werden muss.
Seiko löste das Problem in den 1960er-Jahren bei mehreren Baureihen radikal: Man ließ den Boden einfach weg. Das Gehäuse wird aus einem Stück gefertigt, das Werk von vorn eingesetzt, das Glas dichtet ab. Damit fällt eine von drei Schwachstellen ersatzlos aus.
Der Preis dafür war Aufwand in der Werkstatt. Das Glas muss bei jeder Revision entfernt werden, was Spezialwerkzeug erfordert, und der Zeiger- und Zifferblattbereich liegt bei jedem Eingriff frei. Genau deshalb tragen viele dieser Uhren heute Kratzer auf dem Zifferblatt – jede unsaubere Revision hinterlässt Spuren.
Bei diesem Exemplar ist das nicht der Fall. Das Zifferblatt ist sauber, und die Uhr wurde fachgerecht revidiert.
Der zusätzliche Vermerk „PUSH SET LEVER, PULL STEM" richtet sich an den Uhrmacher: Der Stellhebel muss gedrückt werden, bevor sich die Aufzugswelle ziehen lässt. Eine Werkstattanweisung, in Stahl geprägt – ein Detail aus einer Zeit, in der man davon ausging, dass eine Uhr Jahrzehnte gewartet wird.
Seiko prägte auf dieses Gehäuse konsequenterweise nicht „WATER RESIST", sondern „WATERPROOF". Die Konstruktion gab das her.
Die Lord Matic im Seiko-Gefüge
Die Lord-Matic-Reihe (LM) erschien 1968 und besetzte bei Seiko die gehobene Mitte: oberhalb der Seiko 5, unterhalb von King Seiko und Grand Seiko. Gefertigt wurde sie im Suwa-Werk – demselben Werk, das parallel Grand Seiko entwickelte, während Daini für King Seiko zuständig war. Dieser interne Wettbewerb zwischen Suwa und Daini war der Motor, der die japanische Uhrmacherei der 1960er- und 1970er-Jahre auf Weltniveau brachte.
Technisch profitierte die Lord Matic unmittelbar davon. Das Kaliber 5606 gehört zur 56er-Werkfamilie – derselben Architektur, auf der auch das King-Seiko-Kaliber 5626 und das Grand-Seiko-Kaliber 5646 aufbauen. Die Lord Matic lief mit geringerer Frequenz und einfacherer Feinregulierung als ihre teureren Geschwister, aber die Grundkonstruktion ist dieselbe. Das erklärt, warum die 5606er bis heute als außergewöhnlich robust gelten.
Diese Uhr stammt mit Oktober 1969 aus dem ersten vollen Produktionsjahr der Reihe – aus der Phase, in der Seiko die Linie noch mit aufwendigen Gehäusekonstruktionen wie dieser ausstattete. Spätere 5606er erhielten durchweg konventionelle Schraub- und Druckböden.
Das Kaliber 5606A
- Automatik mit zusätzlichem Handaufzug – anders als die älteren Seiko-Automatikwerke lässt sich das 5606 auch von Hand aufziehen
- Sekundenstopp beim Ziehen der Krone, also sekundengenaues Stellen
- 23 Lagersteine
- Schnellverstellung für Tag und Datum
- Zweisprachige Tagesscheibe, Japanisch und Englisch
Die zweisprachige Ausführung folgt der japanischen Kalenderkonvention: Sonntag wird in Rot dargestellt, Samstag in Blau – entsprechend der Kennzeichnung im japanischen Kalender. Ein Detail, das man an europäischen Uhren nicht findet und das die Herkunft der Uhr auf einen Blick verrät.
Zifferblatt und Gehäuse
Das Zifferblatt ist in einem hellen Silberton mit feinem radialem Sonnenschliff ausgeführt, der bei wechselndem Licht über die Fläche wandert. Die Stundenmarkierungen sind applizierte, facettierte Batons mit polierten Flanken, dazu schlanke polierte Zeiger und eine feine Zentralsekunde.
Beschriftet ist das Blatt mit SEIKO, dem LM-Signet sowie LORD MATIC 23 JEWELS und dem Zeichen des Suwa-Werks. Das Kalenderfenster bei drei Uhr ist mit einem applizierten Rahmen eingefasst und zeigt Wochentag und Datum nebeneinander.
Das Gehäuse folgt der Gestaltungssprache, die Taro Tanaka bei Seiko als „Grammar of Design" formulierte: flächig polierte Partien, scharf abgesetzt gegen gebürstete Flächen, kantig ausgeführte Bandanstöße mit deutlich sichtbaren Facetten. Die Form ist tonneauartig gestreckt, mit nur 40,3 mm Horn zu Horn bei 35,9 mm Durchmesser – eine ungewöhnlich kompakte Bauform, die auch an schmalen Handgelenken sauber aufliegt.
Zustand
Diese Uhr ist in sehr gutem Zustand.
Technisch einwandfrei: Sie wurde im Frühjahr/Sommer 2026 in Japan von einem Uhrmacher fachgerecht revidiert – vollständig zerlegt, gereinigt, geölt und reguliert. Automatik, Handaufzug, Sekundenstopp sowie die Schnellverstellung für Tag und Datum arbeiten einwandfrei.
Das Zifferblatt ist sauber und gleichmäßig, ohne Flecken, Verfärbungen oder Kratzspuren. Das ist bei einem Monocoque-Gehäuse bemerkenswert, weil hier jede Revision über die Zifferblattseite erfolgt und unsachgemäße Eingriffe dort unmittelbar sichtbar werden. Beschriftung vollständig und scharf, applizierte Indizes fest und ohne Korrosion, der Kalenderrahmen intakt.
Das Edelstahlgehäuse zeigt leichte, altersgerechte Tragespuren; die Facetten an den Bandanstößen und die Übergänge zwischen den polierten und gebürsteten Flächen sind erhalten. Der Gehäuseboden weist feine Kratzer aus dem Gebrauch auf, sämtliche Prägungen sind vollständig und klar lesbar. Das Glas ist klar mit vereinzelten feinen Gebrauchsspuren.
Montiert ist ein neues schwarzes Lederarmband.
Technische Daten
- Marke / Linie: Seiko, Lord Matic (LM)
- Referenz: 5606-7000
- Seriennummer: 900469
- Produktionsdatum: Oktober 1969
- Werk: Seiko Kaliber 5606A, Automatik mit Handaufzug, 23 Steine, Sekundenstopp
- Hersteller: Suwa Seikosha, Japan
- Funktionen: Stunden, Minuten, Zentralsekunde, Datum und Wochentag mit Schnellverstellung, Tagesscheibe zweisprachig (Japanisch/Englisch)
- Gehäuse: Edelstahl, einteiliges Monocoque-Gehäuse (Werkentnahme von vorn durch das Glas)
- Durchmesser (ohne Krone): 35,9 mm
- Höhe: 9,6 mm
- Lug-to-Lug: 40,3 mm
- Bandanstoßbreite: 19 mm
- Gewicht (inkl. Band): 43 g
- Band: neues schwarzes Lederarmband
- Glas: Acrylglas
- Revision: Frühjahr/Sommer 2026, Japan – vollständige Zerlegung, Reinigung, Ölung, Regulierung
Für wen
Für Sammler, die japanische Gehäusekonstruktionen interessieren. Monocoque-Gehäuse sind bei Seiko auf wenige Baureihen und wenige Jahre beschränkt; sie erzählen von einer Zeit, in der Konstrukteure grundsätzliche Probleme grundsätzlich lösten, statt bestehende Bauweisen zu verbessern.
Für alle, die ein technisch hochwertiges Automatikwerk mit Handaufzug, Sekundenstopp und Schnellverstellung suchen, ohne den Aufpreis für King Seiko zu zahlen – bei gleicher Werkarchitektur.
Und für schmalere Handgelenke: 40,3 mm Horn zu Horn bei 9,6 mm Höhe und 43 g sind Maße, die heute kaum eine Uhr mehr erreicht.
Gewährleistung (gebraucht)
Es handelt sich um einen gebrauchten Artikel. Die Verjährungsfrist für Mängelansprüche (gesetzliche Gewährleistung) beträgt 12 Monate ab Lieferung.
Hinweis
Da es sich um eine Vintage-Uhr handelt, kann keine Wasserdichtigkeit zugesichert werden. Um das Uhrwerk zu schützen, sollte die Uhr nicht mit Wasser oder Feuchtigkeit in Berührung kommen.
Gesetzliche Gewährleistung:
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