Seiko Lord Matic 5606-7130 – Kaliber 5606, 25 Steine, Suwa Seikosha – Leinenzifferblatt, Monocoque-Gehäuse – Juli 1970 – frisch revidiert
Seiko Lord Matic 5606-7130 – Kaliber 5606, 25 Steine, Suwa Seikosha – Leinenzifferblatt, Monocoque-Gehäuse – Juli 1970 – frisch revidiert
Halten Sie dieses Zifferblatt ins Licht und sehen Sie genau hin.
Die silberne Fläche ist nicht glatt und nicht sonnengeschliffen. Sie trägt ein feines, gekreuztes Muster, das an ein Leinengewebe erinnert – senkrechte und waagerechte Linien, die sich überlagern und das Licht in zwei Richtungen gleichzeitig brechen.
Kippt man die Uhr, wandert der Glanz nicht als Strahl über die Fläche, sondern als Schimmer über das ganze Blatt. Das ist ein völlig anderer Effekt als bei den üblichen Seiko-Zifferblättern jener Jahre – und der Grund, warum Leinenzifferblätter heute gezielt gesucht werden.
Ein Gehäuse ohne Rückseite
Der Gehäuseboden trägt eine Anweisung, die sich nicht an den Träger richtet, sondern an den Uhrmacher: OPEN THRU GLASS, PUSH SET LEVER, PULL STEM.
Diese Uhr lässt sich nicht von hinten öffnen. Der Boden ist kein Deckel, sondern Teil eines einteiligen Gehäusekörpers. Wer an das Werk will, nimmt das Glas von vorn ab und arbeitet über die Zifferblattseite.
Der Grund ist konstruktiv. Ein Gehäuse hat üblicherweise drei Stellen, an denen Wasser eindringen kann: Glas, Krone und Boden. Die Bodendichtung ist dabei die anfälligste, weil sie den gesamten Umfang umläuft und bei jeder Revision neu gesetzt werden muss. Seiko löste das bei mehreren Baureihen der späten 1960er-Jahre, indem der Boden entfiel. Dass auf diesem Gehäuse „WATERPROOF" steht und nicht das ab 1970/71 übliche „WATER RESISTANT", ist die Konsequenz daraus – und zugleich ein Beleg für die Datierung.
Für den Sammler hat das eine praktische Folge: Weil bei jeder Revision die Zifferblattseite freiliegt, tragen viele dieser Uhren heute Spuren unsauberer Eingriffe. Bei einem Leinenzifferblatt wäre das besonders bitter, weil jede Beschädigung die Struktur unterbricht. Hier ist sie über die gesamte Fläche intakt.
Die Lord Matic im Seiko-Gefüge
Die Lord-Matic-Reihe (LM) erschien 1968 und besetzte bei Seiko die gehobene Mitte: oberhalb der Seiko 5, unterhalb von King Seiko und Grand Seiko. Gefertigt wurde sie im Suwa-Werk – demselben Werk, das parallel Grand Seiko entwickelte, während Daini für King Seiko zuständig war. Dieser interne Wettbewerb zwischen Suwa und Daini war der Motor, der die japanische Uhrmacherei der 1960er- und 1970er-Jahre auf Weltniveau brachte.
Technisch profitierte die Lord Matic unmittelbar davon. Das Kaliber 5606 gehört zur 56er-Werkfamilie – derselben Architektur, auf der auch das King-Seiko-Kaliber 5626 und das Grand-Seiko-Kaliber 5646 aufbauen. Die Lord Matic lief mit geringerer Frequenz und einfacherer Feinregulierung als ihre teureren Geschwister, aber die Grundkonstruktion ist dieselbe.
Dass Seiko dieser mittleren Linie 1970 ein aufwendiges einteiliges Gehäuse und ein strukturiertes Zifferblatt spendierte, sagt einiges über den Anspruch jener Jahre aus.
Das Kaliber 5606
- Automatik mit zusätzlichem Handaufzug – anders als die älteren Seiko-Automatikwerke lässt sich das 5606 auch von Hand aufziehen
- Sekundenstopp beim Ziehen der Krone, also sekundengenaues Stellen
- 25 Lagersteine laut Zifferblattangabe
- Schnellverstellung für Tag und Datum
- Zweisprachige Tagesscheibe, Japanisch und Englisch
Die zweisprachige Ausführung folgt der japanischen Kalenderkonvention: Sonntag in Rot, Samstag in Blau. Auf dem Foto steht der Mittwoch 水 – ein Detail, das es an europäischen Uhren nicht gibt und das die Herkunft der Uhr auf einen Blick verrät.
Zifferblatt und Gehäuse
Neben der Leinenstruktur lebt das Zifferblatt von der Reduktion. Die Stundenmarkierungen sind schlanke, applizierte Batons mit dunkel abgesetzten Flanken – sie bilden den einzigen harten Kontrast auf der hellen Fläche. Dazu ebenso schlanke Zeiger und eine feine Zentralsekunde.
Beschriftet ist das Blatt mit dem SEIKO-Schriftzug oben sowie dem LM-Signet mit LORD MATIC / 25 JEWELS und dem Zeichen des Suwa-Werks unten. Das Kalenderfenster bei drei Uhr ist mit einem applizierten Rahmen eingefasst und zeigt Wochentag und Datum.
Das Edelstahlgehäuse hat eine weich gerundete Tonneauform mit breiten, flach nach außen laufenden Bandanstößen und einer schmalen polierten Lünette. Mit 35,7 mm Durchmesser bei nur 39,7 mm Horn zu Horn und 9,4 mm Höhe ist die Uhr ausgesprochen kompakt – Maße, die man heute kaum noch findet und die auch an schmalen Handgelenken sauber aufliegen.
Zustand
Technisch einwandfrei. Die Uhr wurde im Frühjahr/Sommer 2026 in Japan von einem Uhrmacher fachgerecht revidiert – vollständig zerlegt, gereinigt, geölt und reguliert. Automatik, Handaufzug, Sekundenstopp sowie die Schnellverstellung für Tag und Datum arbeiten einwandfrei.
Das Zifferblatt ist gut erhalten: Die Leinenstruktur ist über die gesamte Fläche durchgezogen und unbeschädigt, der Farbton gleichmäßig ohne Flecken oder Aufhellungen. Beschriftung vollständig und scharf, applizierte Indizes fest und ohne Korrosion, der Kalenderrahmen intakt. Gerade beim Monocoque-Gehäuse ist dieser Befund der wichtigste – er zeigt, dass die Uhr über die Jahrzehnte sachgerecht gewartet wurde.
Das Edelstahlgehäuse zeigt altersgerechte Tragespuren, an den Hornkanten und der Lünette etwas deutlicher. Die Grundform ist erhalten; die Uhr wurde nicht überpoliert. Sämtliche Bodengravuren – Referenz 5606-7130, Seriennummer, Werkstattanweisung, Suwa-Zeichen – sind vollständig und klar lesbar. Das Glas ist klar.
Montiert ist ein Edelstahlarmband eines Drittanbieters; es ist nicht das Originalband von Seiko.
Technische Daten
- Marke / Linie: Seiko, Lord Matic (LM)
- Referenz: 5606-7130
- Seriennummer: 076345
- Produktionsdatum: Juli 1970
- Werk: Seiko Kaliber 5606, Automatik mit Handaufzug, 25 Steine, Sekundenstopp
- Hersteller: Suwa Seikosha, Japan
- Funktionen: Stunden, Minuten, Zentralsekunde, Tag und Datum mit Schnellverstellung, Tagesscheibe zweisprachig (Japanisch/Englisch)
- Gehäuse: Edelstahl, einteiliges Monocoque-Gehäuse (Werkentnahme von vorn durch das Glas)
- Durchmesser (ohne Krone): 35,7 mm
- Höhe: 9,4 mm
- Lug-to-Lug: 39,7 mm
- Bandanstoßbreite: 19 mm
- Gewicht (inkl. Band): 63 g
- Band: Edelstahlarmband eines Drittanbieters
- Glas: Acrylglas
- Revision: Frühjahr/Sommer 2026, Japan – vollständige Zerlegung, Reinigung, Ölung, Regulierung
Für wen
Für alle, die strukturierte Zifferblätter mögen. Die Leinenstruktur ist ein Gestaltungsmittel, das Seiko nur bei einem Teil der Modelle einsetzte und das im Licht deutlich mehr hergibt als eine glatte oder sonnengeschliffene Fläche.
Für Sammler, die japanische Gehäusekonstruktionen interessieren. Monocoque-Gehäuse sind bei Seiko auf wenige Baureihen und wenige Jahre beschränkt; ein Exemplar mit unbeschädigtem Zifferblatt belegt zugleich eine saubere Wartungsgeschichte.
Für alle, die ein technisch vollständig ausgestattetes Automatikwerk mit Handaufzug, Sekundenstopp und Schnellverstellung suchen, ohne den Aufpreis für King Seiko zu zahlen – bei gleicher Werkarchitektur.
Und für schmale Handgelenke: 39,7 mm Horn zu Horn bei 9,4 mm Höhe und 63 g – das verschwindet unter dem Hemdsärmel.
Gewährleistung (gebraucht)
Es handelt sich um einen gebrauchten Artikel. Die Verjährungsfrist für Mängelansprüche (gesetzliche Gewährleistung) beträgt 12 Monate ab Lieferung.
Hinweis
Da es sich um eine Vintage-Uhr handelt, kann keine Wasserdichtigkeit zugesichert werden. Um das Uhrwerk zu schützen, sollte die Uhr nicht mit Wasser oder Feuchtigkeit in Berührung kommen.
Gesetzliche Gewährleistung:
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